Land- und forstwirtschaftliches Unternehmertum neu denken

Land- und forstwirtschaftliches Unternehmertum neu denken

Belastungen vermeiden und Zukunft gestalten

Das vergangene Jahr stellte die heimische Land- und Forstwirtschaft vor unterschiedliche Herausforderungen. So war das Frühjahr von extremen Frostschäden mit entsprechenden Auswirkungen auf die Ernte im Sommer/Herbst geprägt. Die Forstwirtschaft ist im Umfeld einer grundsätzlich ausgeglichenen wirtschaftlichen Lage mit dem Eschensterben und dem Borkenkäfer konfrontiert. Zunehmend ausufernde bürokratische Auflagen und detailverliebte Überregulierungen erschweren darüber hinaus die Situation und verzerren die Wettbewerbsfähigkeit.

Damit auch zukünftig die nachhaltige Produktion des erneuerbaren Werkstoffes Holz und eine versorgungssichere landwirtschaftliche Ernte sichergestellt werden können, braucht es eine „Befreiung“ des ländlichen Unternehmertums. Weitere Einschränkungen durch politische und gesellschaftliche Interessen gefährden die Wertschöpfung im Land und den Erhalt des ländlichen Raumes.

Landwirtschaftliche Bilanz 2016

Die Landwirte waren im April 2016 mit großen Frostschäden, besonders im Wein- und Obstbau, und entsprechenden Auswirkungen auf die Ernte konfrontiert. Laut Hagelversicherung belaufen sich die Gesamtschäden 2016 auf 215 Millionen Euro. Heuer zeigt sich leider bereits ein ähnliches Bild.

„Die Getreideernte war mengenmäßig die zweitbeste im Dezennium. In den letzten Jahren lag die Produktion jedoch weltweit über dem Verbrauch, was zu einem entsprechenden Marktdruck und niedrigen Preisen geführt hat. Es ist bitter für den Landwirt, wenn – wie im Herbst – die Ernte zwar sehr gut ist, aber durch die niedrigen Preise die Kosten dennoch nicht gedeckt werden können“, analysiert Präsident Montecuccoli die Situation.

Bei den aktuellen Diskussionen um die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020 muss für Österreich klar sein: die Vielfalt in der Agrarstruktur nach Produktionsbereichen, Lagen und Betriebsgrößen ist die besondere Stärke unserer Heimat. Nur durch Vielfalt kann man den unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten gerecht werden. Vollerwerbsbetriebe leiden an den gleichen Rahmenbedingungen wie jene im Nebenerwerb, sie stützen aber diese und die ländlichen Regionen insgesamt massiv durch ihre aktiven und umfassenden Betriebsansätze. Es wird jedenfalls eine kluge und ausreichend dotierte Ausgestaltung der neuen GAP brauchen, wenn auch künftig eine flächendeckende und vielfältige Agrarstruktur zur Absicherung unserer heimischen regionalen Lebensmittelversorgung und der Umweltleistungen gewährleistet sein soll.

Holzmarkt – Positiver Preistrend im Kernsortiment

Der Holzeinschlag 2016 beträgt nach aktueller Prognose insgesamt 16,8 Millionen Festmeter und ist damit um 4 Prozent zurückgegangen. Das Schadholz beläuft sich nach jetziger Schätzung auf 5,4 Millionen Festmeter. Während der Schadholzanteil 2015 bei rund 42 Prozent lag, ging dieser im Vorjahr auf 32 Prozent zurück.

In Erwartung eines noch höheren Käferbefalles als im Jahre 2015 wurde die forstwirtschaftliche Produktion zunächst etwas zurückgehalten. Die Käferschäden haben leicht zugenommen, blieben aber unter dem befürchteten Ausmaß. In den Bereichen Sturm und Schnee ist die Schadholzmenge zurückgegangen. Durch Waldhygiene und aktive Waldbewirtschaftung war die Situation gut im Griff.

Obwohl man die Ernte im Herbst wieder verstärkt hat, wurde der Ernterückstand nicht mehr aufgeholt. Durch den geringeren Schadholzanfall ist vor allem der Einschlag von Energieholz um 8 Prozent gesunken. Der Jahresdurchschnittspreis für Nadelsägerundholz lag 2016 bei rund 89 Euro. Im Vergleich lag er 2015 bei 91,5 Euro, was einen Rückgang von 2,8 Prozent bedeutet. Im längeren Trend lagen die Durchschnittspreise noch bei rund 98 Euro. Erfreulich ist, dass sich diese negative Entwicklung im Laufe des Jahres 2016 gedreht hat und aktuell die 90 Euro nun wieder überschritten werden konnten.

Weniger Kalamitäten als 2015 – Borkenkäferschaden aber konstant

Nachdem das forstwirtschaftliche Jahr 2015 sehr stark unter dem Einfluss von Kalamitäten (Sturmschäden, Eisbruch und Trockenheit) stand, hat sich die Situation 2016 deutlich entspannt. Der letzte Sommer war durch einen überdurchschnittlichen Niederschlag gekennzeichnet, es gab zudem auch weniger „Wüstentage“ als im Vorjahr, was weniger Stress für Land- und Forstwirtschaft bedeutet. Leider konnte jedoch keine Abnahme der Schadholzmenge durch den Borkenkäfer verzeichnet werden (2,6 Millionen Festmeter Schadholz). Besonders betroffen waren die Oststeiermark, Burgenland, Waldviertel und das westliche Tirol.

„Eine besondere Herausforderung für die heimischen Betriebe, sind die extremen Wetterschwankungen. Diese konnten auch heuer schon beobachtet werden, auf den wärmsten März seit Beginn der Messgeschichte folgte Frost im April 2017. Das Wetter ist unberechenbar, die Betriebe müssen auf alle Möglichkeiten eingestellt sein und sich so gut wie möglich der „Herausforderung Klimawandel“ stellen. Der heimische Wald ist einerseits negativ betroffen, andererseits aber auch wichtiger Teil der Problemlösung. Mit der Verwendung des nachhaltigen Roh- und Baustoffes Holz wird gegen den Klimawandel vorgegangen, denn Waldbewirtschaftung und Holzverwendung ist aktiver Klimaschutz“, hält Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich, fest.

Die Esche in Not

Ein kleiner Pilz aus Asien bedroht Eschenbestände in ganz Österreich und stellt die Forstwirtschaft vor große Probleme. Im Auwald mussten heuer größere Waldgebiete zum Schutz der im Wald arbeitenden Menschen und der erholungssuchenden Bevölkerung gesperrt werden. Bereits seit 2007 grassiert das Eschentriebsterben in Österreich. Der eingeschleppte Schlauchpilz infiziert die Eschenblätter und bewirkt das Absterben des Holzes. Was mit einem vorzeitigen Blattfall beginnt, führt letztlich zum Absterben des gesamten Baumes. Um die Sicherheit der Waldbesucher zu gewährleisten, müssen in den betroffenen Regionen von den Waldeigentümern bis zu einer Dauer von vier Monaten Sperrgebiete errichtet werden. Für die Betriebe ist die Situation eine organisatorische Herausforderung. Gleichzeitig helfen sie bei der Suche nach resistenten Individuen mit, um das Ökosystem bestmöglich zu erhalten.

EU-Auswirkungen auf heimische Betriebe

Viele Themen werden heute auf europäischer Ebene diskutiert und entschieden, die mittelbar und unmittelbar massive Auswirkungen auf die heimischen Betriebe haben. So werden etwa aktuell im „Natura 2000-Action Plan“ Naturschutzansätze formuliert, die weit über das grundsätzliche Natura 2000-Ausmaß hinausgehen. In der GAP gilt es den Forstsektor entsprechend mitzudenken. Im Bereich der Erneuerbaren Energie-Diskussion müssen einseitige und wettbewerbsverzerrende Bestrebungen wie „Nachhaltigkeitskriterien für feste Biomasse“ strikt vermieden werden. Im Klimaschutzpaket gibt es noch einige Knackpunkte im Bereich Landbewirtschaftung (Land Use, Land Use Change and Forestry) zu verhandeln. Nur die Anerkennung aktiver Waldbewirtschaftung kann hier nachhaltig zu einer Lösung für alle führen.

Im Bereich der EU-Kontrollmechanismen wird aktuell diskutiert, die Importregelungen für die Einfuhr von Papierprodukten aus China zu lockern. Dies muss vor dem Hintergrund der chinesischen Produktionsbedingungen klar abgelehnt werden, da es sonst zu massiven Wettbewerbsverzerrungen kommen würde.

In Österreich wird die nachhaltige Waldbewirtschaftung durch PEFC, das weltweit größte Waldzertifizierungssystem, gewährleistet. PEFC ist das Instrument zur Sicherstellung und Vermarktung nachhaltiger Waldbewirtschaftung, gewährleistet durch ein unabhängiges und akkreditiertes Zertifizierungssystem. Über 70 Prozent der österreichischen Waldfläche sind bereits PEFC-zertifiziert. PEFC Austria ermöglicht eine effiziente und effektive Zertifizierung in überschaubaren Einheiten.

„Befreiung“ des ländlichen Unternehmertums

Österreichs Familienbetriebe werden immer schneller mit immer mehr neuen Vorschriften und Regelungen konfrontiert. Zu den natürlichen Herausforderungen wie Kalamitäten und Klimawandel kommen ausufernde Bürokratie und detailverliebte Überregulierungen. Die Betriebe stöhnen heute unter einer Vielzahl an Verwaltungsauflagen. Die Kombination von landwirtschaftlicher Urproduktion und verwandten Tätigkeit muss entbürokratisiert und vereinfacht werden.

Zudem gibt es vielfältige Interessen und Forderungen aus Politik und Gesellschaft wie zum Beispiel die Ausweisung von weiteren Naturschutzgebieten oder die einseitige Idee für eine gesetzliche Öffnung von Forststraßen für Mountainbiker. Alle diese Umstände gefährden nicht nur die Wertschöpfung im Land, sondern auch die vielfältigen Wechselwirkungen und Leistungen unserer Natur- und Kulturlandschaft und den Erhalt des ländlichen Raumes insgesamt. Damit die Betriebe auch in Zukunft noch nachhaltig im Sinne des Mottos „Nützen und Schützen“ wirtschaften können, darf es zu keinen weiteren Belastungen mehr kommen.

„Es kann nicht funktionieren, dass von den Familienunternehmen immer mehr gefordert wird, sie aber gleichzeitig in der Ausübung ihrer Arbeit immer weiter eingeschränkt werden. Sie tragen schlussendlich die Gesamtverantwortung für die vielseitigen Landschaftsleistungen. Seit Generationen wird etwa der Wald in Österreich erfolgreich durch Familienbetriebe bewirtschaftet. Mit nachhaltigem Waldmanagement leben diese ein Modell, in dem es um eine gesamtheitliche Betrachtung geht. Sie sichern auf Basis privaten Eigentums, einer nachhaltigen Bewirtschaftung und großer Eigenverantwortung unverzichtbare Leistungen für Gesellschaft und Umwelt. Der umfassende Nutzen für die Gesellschaft umfasst die Bereiche Lebensmittel und Rohstoffe, Schutz, Erhaltung des Ökosystems und Erholung. Um das alles zu gewährleisten, braucht es stabile Rahmenbedingungen und keine weiteren Einschränkungen“, betont Felix Montecuccoli abschließend.

Quelle: APA/OTS

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