Ansichten zur Verschärfung des Hundehaltegesetztes

Ansichten zur Verschärfung des Hundehaltegesetztes

ALTMÜNSTER - Jennifer Breiteneder, die Leiterin des Tierheims Altmünster hat uns Ihre Meinung zur aktuellen Debatte in Worte gefasst

Ich wurde gefragt ob ich meine Meinung zu der Verschärfung des Hundehaltegesetzes in OÖ kommentieren möchte. Ich bat um etwas Zeit um die richtigen Worte für meine Meinung zu finden. Tierschutz ist ein sehr umstrittenes Thema und jeder sollte auch seine Meinung vertreten, daher ist es mir wichtig zu betonen, dass dies nur meine persönliche Meinung ist.

Die Verschärfung des Hundehaltegesetzes basiert nun auf den Vorfall vom 19.07.2019 in Ottensheim. Ein 5-jähriger Pitbull-Mischling greift ein unschuldiges Kind an.

Wieder steht die Rasse im Vordergrund. Aber wie kommt das? Ich selbst als Mutter finde es eine Katastrophe und man hofft bzw. wünscht sich das einem so etwas nie wiederfährt. Die Haltung des Vierbeiners wird zu Recht in Frage gestellt, denn wie kann es passieren das ein Hund einem Menschen verletzt. 

Leider bekommen wir im Tierheim immer wieder Hunde die eine schlechte Vergangenheit bzw. eine falsche Haltung genossen haben. Dies ist jedoch nicht auf eine Rasse bezogen. Jeder Hund hat seinen eigenen Charakter und auch rassetypische Eigenheiten. Aber wenn das Tier etwas Schlechtes erlebt, oder zig mal weitergereicht wird, dann passiert mit dem Tier etwas in seiner Seele und es verknüpft bestimmte Situationen mit etwas Bösem, egal welche Rasse.

Diese sogenannten Listenhunde haben auch ihr rassetypischen Eigenheiten, sie sind sehr auf den Menschen und auf die Familie bezogen. Klar kommt es drauf an wie der Hund aufwächst bzw. wie er erzogen und sozialisiert wird. Man kann also nicht sagen, dass der Hund aus Lust gebissen hat. Wir werden den Grund dafür auch nicht mehr erfahren.

Die Verschärfung wie es die Regierung vorsieht entspricht allerdings nicht meiner Meinung.

Denn ich finde, als Tierheim, als Züchter oder als Tierschutzverein sollte man selbst das Gespür dafür haben, welcher Person man einen Hund bzw. diese Rassen vermitteln kann. Wenn man dies nicht hat, dann ist man im falschen Beruf. Jedes Tier ist unberechenbar von der Ameise bis zum Elefanten und jedes Lebewesen hat seinen eigenen Charakter. Hier einen Hundeführerschein anzuordnen und bei anderen Rassen nicht finde ich sinnlos. Eher ist es von Vorteil dann einen Hundeführerschein für JEDE Hunderasse anzufordern, denn jede Rasse hat seine Eigenheiten vom Chihuahua bis zum Herdenschutzhund und mit diesen sollte man umgehen lernen. Beißstatistiken beweisen immer wieder, dass die sogenannten „Listenhunde“ noch immer im unteren Viertel sich befinden.

Wenn Leinen- und Maulkorbpflicht dann schon für jeden, denn wie oft passiert es, dass ein kleiner Hund einen größeren anbellt wenn nicht sogar versucht hin zuschnappen (aus Angst, Dominanz, usw.). Wenn jedoch der größere sich wehrt (was in seiner Natur liegt), gibt das meistens einen größeren Schaden. Hunde zu führen, heißt auch die Verantwortung zu übernehmen und das bedeutet auch einen gewissen Respektabstand zu bewahren. Wenn ich meinen Hund gut gesichert führe, kann es auch nicht passieren, dass er auf einen seiner Artgenossen aggressiv reagiert.

Verantwortlich für diese Fälle ist immer der Mensch, denn er ist der Rudelführer (sollte er zumindest sein). Wenn man merkt, dass etwas aus dem Ruder läuft, dann sollte man sich professionelle Hilfe holen, dies ist kein Zeichen der Schwäche sondern ein Zeichen dafür das man sein Tier liebt und ihm jeglichen Stress ersparen möchte.

Das Aussuchen eines Hundes nach dem Aussehen ist der erste gravierende Fehler den die Hundebesitzer machen können. Zuerst ist es wichtig sich über die Rasse zu informieren welche Eigenheiten bekannt sind bzw. welche Anforderungen dieser Hundetyp den stellt. Einen Bordercollie zu adoptieren der mehr als 8 Stunden alleine Zuhause sitzt und nur 30 Minuten am Tag Gassi geführt wird, ist sicher nicht der richtige Hund. 

In meinem Wortschatz gibt es die Worte „Kampfhund“ & „Listenhund“ nicht. Denn wer sich mit der Geschichte des Amstaffs bzw. des Pitbulls beschäftigt hat, weiß, dass diese Hunde damals zwar für Hundekämpfe gezüchtet worden sind, jedoch auch immer Hunde der armen Leute waren. Diese lebten in Hütten auf engsten Raum mit ihren 4-Beinern zusammen und da wäre man sicher kein Risiko eingegangen mit einem „aggressiven“ Hund zu leben. Das heißt diese Hunde sind sehr auf Menschen und Familien bezogen und wenn man die von Anfang an auch mit anderen Hunden bzw. Tieren sozialisiert, ist es auch kein Problem sie mit anderen Hunden zu vergesellschaften bzw. zu halten.

Bitte lasst euch nicht panisch machen, es hätte jede Rasse sein können die den 12-jährigen verletzt, dass bei einem Biss dieser Hunderasse mehr bleibt als von einem 3-kg schweren Chihuahua ist jedem bewusst. Der 5-jährige Pit-Mischling wird nun eingeschläfert bzw. „erlöst“, wahrscheinlich auch die Beste Entscheidung, denn es würde für den Hund nie wieder so ein unbeschwertes Leben werden wie es davor war und das wieder einmal wegen Fehler der Menschen.

Quelle: Jennifer Breiteneder
Bild: Symbolbild

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